Baugnez

Das Massaker von Baugnez (Malmedy-Massaker)

17. Dezember 1944

 

12.01.2015

Bei dem Vorfall sollen mindestens 76 amerikanische Kriegsgefangene ums Leben gekommen sein. Davon sollen mehr als zwanzig von Angehörigen der SS erschossen worden sein. Die genauen Umstände, die zur Erschießung der Gefangenen geführt haben, sind bis heute unklar, vielmehr konnten diese nie mit absoluter Genauigkeit geklärt werden.

 

Das Verbrechen wurde am 17. Dezember 1944 in Baugnez bei Malmedy begangen. Die Batterie B des 285. amerikanischen Feldartillerie-Aufklärungsbataillons stand dabei im Mittelpunkt der Ereignisse.

 

Am 16. Dezember 1944 erhielt die US-Einheit den Befehl, ihre Position im deutschen Schevenhütte bei Aachen aufzugeben, um sich der zu diesem Zeitpunkt in Sankt Vith befindlichen 7. US-Panzerdivision anzuschließen.

 

Trotz der Tatsache, dass die befehlshabenden Offiziere über die Anwesenheit von deutschen Panzern in Büllingen informiert worden waren, fuhr die Einheit von Malmedy in Richtung Baugnez, von wo aus die Fahrzeugkolonne über Ligneuville nach Sankt Vith fahren sollte. Dies war ein fataler Fehler, denn in Baugnez wurde die Batterie tatsächlich von einer deutschen Kampfgruppe überwältigt, was zur Folge hatte, dass mindestens 76 US-Soldaten den Tod fanden. Mehr als zwanzig sollen dabei erschossen worden sein. Dies erklärt, weshalb es sich beim Massaker von Baugnez um ein Verbrechen und nicht um ein normales Gefecht gehandelt hat.

 

Um die tragischen Ereignisse des Massakers von Baugnez rekonstruieren zu können, bedarf es der Lektüre vieler, umfangreicher Kommentierungen. Was jedoch im Dezember 1944 in Baugnez genau geschah, ist bis heute mit unbeantworteten Fragen behaftet geblieben.

 

Schon bald entstanden zwei Versionen über das, was sich wirklich in Baugnez ereignet haben soll. In einer ersten Darstellungsversion sollen die Gefangenen vorsätzlich hingerichtet worden sein. In einer zweiten Version glaubt man den eigentlichen Grund für das Massaker in einem Fluchtversuch der Gefangenen und dem daraus entstandenen Chaos zu finden.

 

Das Buch „Was wirklich geschah – Malmedy-Baugnez – 17. Dezember 1944“ des inzwischen verstorbenen Antwerpener Hobbyhistorikers Gerd J. Gust Cuppens ist das Resultat von mehr als 10 Jahren Nachforschungen. Unter den zahlreichen Veröffentlichungen zum Fall Baugnez kommt das Buch heute wohl am ehesten der Wahrheit entgegen. In einer Neuauflage wurde es als „umfassend und fundiert recherchiert“ gewürdigt.

Der Führungsjeep der Fahrzeugkolonne der Batterie B des 285. amerikanischen Feldartillerie-Aufklärungsbataillons soll sich direkt hinter der Kreuzung von Baugnez („Five Points“) aufgehalten haben, als die amerikanischen Fahrzeuge von Jochen Peipers Panzerspitze mit Granaten beschossen wurden. Die deutsche Kampfgruppe soll sich zu diesem Zeitpunkt etwas außerhalb von Thirimont aufgehalten haben und befand sich ebenfalls auf dem Weg nach Ligneuville.

 

Vergeblich versuchten die Amerikaner sich in Gräben entlang der Straße in Sicherheit zu bringen. Jedoch zwangen die anrollenden deutschen Panzer die meisten davon zur Aufgabe. Man kann als sicher annehmen, dass bei diesem ersten, völlig überraschenden Angriff bereits zahlreiche Amerikaner getötet wurden. Kurz darauf ergaben sich die Soldaten. Dem Buch zufolge sollen die gefangen genommenen US-Soldaten gesammelt zur Kreuzung gebracht worden sein, noch bevor Peipers Panzerspitze ihren Weg nach Ligneuville fortsetzte.

 

Als Peipers Vorauskommando die amerikanischen Fahrzeuge und die Gruppe Amerikaner entdeckte, soll auch dieser Teil der Kampfgruppe sogleich das Feuer eröffnet haben. Wiederum sollen bei diesem Angriff einige Amerikaner getötet worden sein.

 

Nachdem die SS-Männer die Amerikaner durchsucht hatten, soll Peiper den Befehl erteilt haben, die Soldaten zur „Wiese nahe der Straßenkreuzung“ zu bringen (die Wiese, die später in die Geschichte einging). Auch einige amerikanische Kriegsgefangene, die sich zu diesem Zeitpunkt in den deutschen Fahrzeugen befanden, sollen auf diese Wiese gebracht worden sein.

 

Während auch Peipers Vorauskommando seinen Weg nach Ligneuville fortsetzte, ein paar deutsche Soldaten blieben zur Bewachung der Gefangenen zurück, entdeckte nun auch der Hauptteil von Peipers Kampfgruppe die Amerikaner. Erneut sollen die Deutschen das Feuer auf die Amerikaner eröffnet haben. Es ist der dritte und vorläufig letzte „reguläre“ Angriff.

 

An dieser Stelle besonders hervorzuheben ist also die Tatsache, dass bei diesen Angriffen bereits zahlreiche amerikanische Soldaten getötet wurden. In dem Buch ist die Rede von 55 US-Soldaten, die bei Angriffen der Deutschen ums Leben kamen.

 

Einige der auf der Wiese zusammen getriebenen Gefangenen könnten einen Augenblick der Unaufmerksamkeit der Deutschen genutzt haben, um zu flüchten. Dies soll einen in einem Schützenpanzerwagen befindlichen Deutschen dazu veranlasst haben, Pistolenschüsse abzugeben, nachdem er gedroht habe, von seiner Schusswaffe Gebrauch zu machen. Panik bricht aus, weitere Schüsse fallen.

 

Fast 65 Jahre nach dem Blutbad sah sich ein direkter Zeitzeuge, Alfred Bodarwé, veranlasst zu schildern, wie er das Kriegsverbrechen vom 17. Dezember 1944 erlebte. Nach seinen Beobachtungen soll vielmehr eine deutsche Panzergranate Auslöser für die Panikmache gewesen sein. Diese habe einen mit Munition beladenen amerikanischen Lkw getroffen, wobei die Munition in die Luft geflogen sei. Weil die Lage so undurchsichtig gewesen sei, hätten die deutschen Soldaten damit begonnen, „wild um sich zu schießen“.

 

Man kann als sicher annehmen, dass die Amerikaner schließlich durch Maschinengewehrfeuer („zweimal kurz, aber heftig“, so Bodarwé) und den Einsatz von Bordwaffen zu Boden fielen, tot, verwundet oder unversehrt (die Lebenden stellten sich tot). Nach diesem Zwischenfall fuhr auch dieser Teil von Peipers Kampfgruppe weiter Richtung Ligneuville.

 

Das Unheil nimmt seinen Lauf, als eine lange Panzerkolonne die Unglückswiese erreicht. Man kann nun spekulieren, ob sie es auf Anweisung taten oder nicht, es steht jedoch außer Zweifel, dass einzelne SS-Männer auf die überlebenden, teils schwerverwundeten Amerikaner zugingen und sie diese aus nächster Nähe niedermetzelten.

 

Einen generellen SS-Befehl zur Tötung von Gefangenen hat es offensichtlich nicht gegeben, doch habe man Erschießungen akzeptiert, bildeten die Gefangenen „unnötigen Ballast“.

Die Ardennenoffensive galt als die letzte Möglichkeit, das Blatt im Westen militärisch noch einmal zu wenden. Die Kampfgruppe Peiper stand dabei unter besonderem Druck, ausgehend davon, dass sie zum Tatzeitpunkt bereits weit hinter dem Zeitplan lag.

Peiper trug die volle Verantwortung für das Massaker von Baugnez, da er seinen Untergebenen die Direktive erteilt hatte, dass beim Vormarsch Kriegsgefangene kein Hindernis darstellen dürften und so deren Erschießung sanktionierte.

 

Auch Cuppens Buch „Was wirklich geschah ...“ schließt sich weitgehend der Sicht an, dass die Kriegsgefangenen vorsätzlich getötet wurden. Dabei werden Schlüsseldokumente wie der Autopsiebericht der Toten gar nicht angeführt. Diesem zufolge soll bei etwa die Hälfte der Opfer Kopfschuss die Todesursache gewesen sein, ein untrügliches Zeichen also einer gezielten Hinrichtung.

 

Der genaue Vorgang ebenso wie die Zahl der Opfer wurde in der Vergangenheit immer wieder in Frage gestellt. Mindestens 21 amerikanische Kriegsgefangene sollen dieser Gräueltat zum Opfer gefallen sein.

Die Gedenkstätte Malmedy-Baugnez erinnert heute an das Massaker von Dezember 1944. Es befindet sich nahe der Kreuzung von Baugnez, auf der linken Seite der Straße nach Ligneuville. Am linken Ende wurde eine kleine Steinkapelle errichtet, in der das Abbild eines Gekreuzigten hängt. An dem Denkmal sind außerdem die Namen der „84“ amerikanischen Kriegsgefangenen zu lesen, die angeblich bei dem Massaker ums Leben gekommen sein sollen.

 

Das Massaker von Baugnez (Malmedy-Massaker) gilt als eines der grausamsten Massaker an Kriegsgefangenen auf belgischem Boden. Ein Akt nazistischer Barbarei, welcher nicht nur mit unbeantworteten Fragen behaftet geblieben ist, sondern heute noch vielerorts für Entsetzung sorgt.

  • WAS WIRKLICH GESCHAH – MALMEDY-BAUGNEZ – 17. DEZEMBER 1944

„Es ist Zeit für die Wahrheit über den Fall Malmedy“.

Ein Buch von Gerd J. Gust Cuppens. Belgien, GrenzEcho Verlag (GEV), ISBN 978-3-86712-026-5.

 

  • BAUGNEZ

Die Gedenkstätte Malmedy-Baugnez befindet sich direkt an der Kreuzung in Baugnez, zwischen Malmedy (B-4960) und Ligneuville (B-4960). Die ehemalige Unglückswiese ist gleich gegenüber. Einen Steinwurf davon entfernt das „Baugnez 44 Historical Center“. Eröffnet im Jahre 2007 beschäftigt sich das zweistöckige Museum mit der Ardennenschlacht. Dabei erinnert es, wie das Mahnmal, an das Massaker von Baugnez am 17. Dezember 1944.

 

  • BAUGNEZ 44 HISTORICAL CENTER

Route de Luxembourg 10

Malmedy, 4960

Belgien

 

  • Koordinaten: 50° 24′ 11″ N, 6° 3′ 59″ O.
  • Anlässlich des Massakers von Baugnez am 17. Dezember 1944 werden einzelne SS-Männer der Tötung an amerikanische Kriegsgefangene bezichtigt. Ohne Rücksicht auf die Genfer Konvention der Kriegsgefangenen sollen die Deutschen die US-Soldaten aus nächster Nähe kaltblütig ermordet haben.

 

  • Die Zahl der Opfer konnte nie ganz geklärt werden. Mindestens 76 US-Soldaten sollen bei dem Vorfall ums Leben gekommen sein, mehr als zwanzig sollen dabei erschossen worden sein.

 

  • Einige Amerikaner flüchteten und suchten Zuflucht im örtlichen Café. Sie hatten dennoch keine Chance. In ihrer Brutalität steckten die Deutschen die Kneipe in Brand und eröffneten das Feuer auf die Insassen, als diese ins Freie liefen. Bis zu sieben Soldaten seien dabei getötet worden.

 

  • Die Bergung der Leichen erfolgte erst im Januar 1945, als die Amerikaner Malmedy einnehmen konnten. Beim Eintreffen der Kompanie K am 13. Januar 1945 waren die Leichen schon nummeriert. Entgegen vielen Aussagen sind die Soldaten nicht im Schnee gefallen, denn am 17. Dezember 1944 lag definitiv keine Flocke Schnee, geschneit hat es erst ab dem 22. Dezember. Zwar ist auf den Aufnahmen von Baugnez Schnee zu erkennen, jedoch wurden fast alle Bilder erst beim Eintreffen der Amerikaner (13. und 14. Januar 1945) gemacht. 71 Leichen seien aus dem Schnee geborgen worden sein.

 

  • Nur ein Jahr nach dem Blutbad wurde 73 Angehörigen der Kampfgruppe Peiper der Prozess (Malmedy-Prozess) gemacht, darunter SS-Standartenführer Jochen Peiper.

 

  • Jochen Peiper, der eine Kampfgruppe überschwerer Königstiger kommandierte, wurde neben 42 weiteren Soldaten für das Kriegsverbrechen in Baugnez verantwortlich gemacht und zum Tode verurteilt. Aus „Mangel stichhaltiger Beweise“ wurden die Todesstrafen nie vollstreckt. Einige Jahre später waren alle Angeklagten wieder auf freiem Fuß. Viele wiederriefen in der Folgezeit ihre ersten Geständnisse.

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