Botrange

Annektierung der Ostkantone durch das Dritte Reich

Einweihung einer Gedenktafel am Signal de Botrange - 18. Mai 2014

 

04.01.2015

In den Kriegsjahren 1940-1944 wandelte sich das Freiheitsgefühl der ostbelgischen Bevölkerung schnell in einen Alptraum. Viele Personen wurden interniert in Erwartung einer Verurteilung wegen vermeintlicher Menschenrechtsverletzung. Die unter dem Naziregime erlittenen Qualen werden sogar so weit gehen, dass tausende Personen, die sich in den annektierten Gebieten mit all ihren moralischen Kräften gegen das Naziregime wehrten, entmutigt und bedroht wurden. So weit, dass die Einwohner dieser annektierten Gebiete im Inland sehr schnell als Deutsche („Boches“) oder sogar als Nazis angesehen wurden (diese Meinung ist übrigens auch heute immer noch in vielen belgischen Bevölkerungsgruppen vertreten).

Die Rede ist von den so genannten belgischen „Ostkantonen“, jene Gebiete in Ostbelgien, die 1920 durch den Versailler Vertrag vom Deutschen Reich abgetrennt wurden, sodass deren größtenteils deutschsprachige Bevölkerung damit zu belgischen Staatsbürgern wurde.

Doch am 18. Mai 1940, nur wenige Tage nach Beginn des deutschen Westfeldzuges, annektierte Hitler dieses Gebiet, umgangssprachlich auch „Eupen-Malmedy-Gebiet“ genannt, an Nazi-Deutschland.

 

Zu der Nazi-Indoktrinierung in den Schulen und der Zwangsmobilisierung von Kindern und Jugendlichen in nationalsozialistischen Jugendbewegungen kamen in den Ostkantonen nunmehr der Arbeits- und Kriegsdienst ab dem Alter von 18 Jahren hinzu. In der Bevölkerung führten diese Maßnahmen zunehmend zu Verweigerungshaltungen, was zur Folge hatte, dass Familien, die als regimekritisch galten, verstärkt Übergriffen ausgesetzt wurden.

 

Im September 1944 sahen die Menschen der annektierten Gebiete endlich dem Ende der Nazi-Herrschaft entgegen. Doch auf die Freude der ersten Tage der Befreiung folgte in den generell unter Verdacht stehenden Ostkantonen schnell ein verfolgungsstaatsfeindliches Verhalten.

 

Am 18. Mai 2014 wurde am Signal de Botrange, höchster Punkt Belgiens und der ehemaligen annektierten Gebiete, all der direkten und indirekten Opfer dieser Annektierung gedacht und eine Gedenktafel enthüllt, die an dieses Ereignis erinnern soll. Dies erfolgte auf Initiative von Herrn Paul DANDRIFOSSE, Präsident und Gründer der gemeinsamen Front der Widerstandskämpfer gegen den Nazismus in den annektierten Gebieten.

 

Ein Zeichen mit großer Symbolkraft.

  • Paul DANDRIFOSSE

Ist Präsident/Gründer der gemeinsamen Front der Widerstandskämpfer gegen den Nazismus in den annektierten Gebieten.

Ist Präsident des "Ehrenverteidigungsausschusses für belgische Bürger", die von Nazi-Deutschland annektiert wurden, und für deren moralische Nachfolger.

 

  • BOTRANGE - AUSSICHTSTURM SIGNAL DE BOTRANGE

Route de Botrange 133

Waimes, 4950

Belgien

 

  • Koordinaten: 50° 30′ 6″ N, 6° 5′ 35″ O.
  • 18. Mai 1940: Hitler annektiert per Erlass die Kantone Eupen, Malmedy und Sankt Vith sowie Kelmis bzw. Neutral-Moresnet.

 

  • Gemeinden im Nordosten der Provinz Lüttich, die zusätzlich zu denjenigen der Ostkantone am 29. Mai 1940 annektiert wurden: Baelen, Gemmenich, Henri-Chapelle, Homburg, Membach, Montzen, Moresnet, Sippenaeken und Welkenraedt.

 

  • Gemeinden im umliegenden Raum, die am 1. Juni 1940 teilweise annektiert wurden: Aubel, Beho, Bilstain, Clermont, Gulpe, Jalhay, Limburg, Remersdael, Sart-lez-Spa, Stavelot, Petit-Thier.

 

  • 9. Juli 1940: die am 1. Juni 1940 festgelegte administrative Grenze wird Staatsgrenze. Sie trennte die annektierten Gebiete vom militärisch besetzten Belgien.

 

  • 23. September 1941: den Bewohnern der Ostkantone wird die deutsche Reichsbürgerschaft auferlegt.

 

  • September 1944: Ende der Nazi-Herrschaft in den annektierten Gebieten.

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