Brücke von Remagen

Ludendorff-Brücke - Brücke von Remagen (D)

„Trockenen Fußes über den Rhein“

 

28.03.2015

Die Ludendorff-Brücke, als so genannte „Brücke von Remagen“ bekannt, war eine zweigleisige Eisenbahnbrücke, die Remagen mit dem rechtsrheinischen Ort Erpel verband.

 

Als eine Vorausabteilung der 9. US-Panzerdivision am 7. März 1945 bei Remagen zum Rhein vorstößt, finden die amerikanischen Soldaten die Rheinbrücke unzerstört vor. Die Einnahme der noch intakten Brücke ermöglicht den alliierten Truppen einen unverhofften Übergang über den Rhein.

 

Hitler vermutet Sabotage und lässt fünf Offiziere des Brückenkommandos zum Tode verurteilen. Zehn Tage später stürzt die von zahllosen Zerstörungsversuchen stark beschädigte Brücke ein.

Erbaut wird die Brücke von Remagen im Ersten Weltkrieg. Der Chef des preußischen Generalstabes, Generalfeldmarschall Alfred (Graf) von Schlieffen, hatte ihren Bau gefordert, um den Versorgungsweg zur deutschen Westfront zu verkürzen. Die Pläne lagen schon 1912 vor, doch fiel der Baubeginn erst in das Jahr 1916, als der Erste Weltkrieg bereits zwei Jahre wütete.

 

Fertiggestellt wurde die 325 m lange Brücke erst 1918 – für ihre militärische Bestimmung zu spät.

 

Zu Ehren des Generals der Infanterie Erich Ludendorff gab Kaiser Wilhelm II. ihr den Namen „Ludendorff“. Deutsche Soldaten, die aus dem Krieg kehrten, gehörten zu den ersten, die die Brücke überquerten.

Am 7. März 1945 erreichen die amerikanischen Truppen auf ihrem Vormarsch die Rheinhöhen bei Remagen. Sie finden die Brücke unzerstört vor. Unter dem Kommando des Leutnants Karl Heinrich Timmermann (deutsch-stämmig) gelingt es der Kompanie der 9. US-Panzerdivision, die Brücke fast unversehrt einzunehmen, nachdem auf deutscher Verteidigungsseite die vorbereitete Sprengung fehlgeschlagen war. Wegen des hohen Verlusts der Brücke ließ Hitler ein „fliegendes Standgericht“ entsenden, das fünf Offiziere des Brückenkommandos wegen „Feigheit“ und „Dienstpflichtverletzung“ zum Tode verurteilen ließ, wohlgemerkt konnte den Offizieren keine Schuld an der misslungenen Sprengung zugeschrieben werden. Vier von ihnen werden erschossen, der fünfte überlebt in amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

 

Die Deutschen versuchten, die Brücke durch Bombenangriffe, Artillerie und sogar Raketen zu zerstören. Zu diesem Zeitpunkt standen bereits zwei der drei Pontonbrücken im Abschnitt um Remagen. Am 17. März 1945 stürzte die stark beschädigte Brücke schließlich ein und riss 28 amerikanische Soldaten in den Tod. Unmittelbar vor ihrem Einsturz führten Amerikaner noch deutsche Soldaten über die Brücke in die Kriegsgefangenschaft.

 

Die Aufnahme zeigt eine 1000 kg schwere Fliegerbombe, so wie sie am 13. März 1945 von einem Flugzeug in 450 Meter Höhe abgeworfen wurde. Die Bombe entzündete sich jedoch nicht und sprang von dem Brückenpfeiler ins Wasser ab. Der Blindgänger wurde 1981 aus dem Rhein vom Kampfmittelräumdienst geborgen.

 

Ab dem 31. Januar 1945 standen auch das 12. und das 16. belgische Füsilier-Bataillon den alliierten Truppen unterstützend zur Seite. Ab dem 7. März 1945 überquerte die 4. Kompanie des 12. Bataillons die noch brauchbare Ludendorff-Brücke. Am 15. März 1945 waren es Einheiten der 2. Kompanie des 16. Bataillons, die eine Pontonbrücke in Linz überquerten, die Ludendorff-Brücke war inzwischen zusammengebrochen. Veteranen des 16. Bataillons stifteten der Stadt Remagen als Zeichen des Friedens eine historische Gedenktafel, die an die Einsätze des Bataillons 1945 erinnert. Sie ist im Friedensmuseum „Brücke von Remagen“ (unten) zu sehen.

Hilmar Pabel – als einer der bedeutendsten Fotoreporter und Kriegsberichterstatter des 20. Jahrhunderts war er als Fotograf in Remagen tätig.

 

Pabel dokumentierte im Winter 1944-1945 die Bombenangriffe auf Remagen. Nach dem Krieg besuchte er die Überlebenden von damals immer wieder aufs Neue. Daraus entstand unter anderem eine von menschlicher Anteilnahme geprägte Reportage über eine Remagener Familie im Laufe der Jahrzente. 1968 begleitete er fotografisch die Dreharbeiten zum amerikanischen Spielfilm « Die Brücke von Remagen » (unten).

 

Die Fotos machte Pabel nach dem schweren alliierten Bombenangriff am 2. Januar 1945 in der Josefstraße, deren Häuser zerstört wurden. Bei den Bombenangriffen vom 28. Dezember 1944 bis 2. Januar 1945 auf Remagen sind insgesamt 65 Todesopfer zu beklagen, darunter auch zahlreiche „Ostarbeiter“ sowie französische und russische Kriegsgefangene.

 

Pabel verstand seine Fotografie immer als Friedensinstrument gegen Gewalt, Not und Hunger.

Nach den beiden Rheinüberquerungen bei Remagen am 7. März und bei Wesel am 23. März 1945 wird das gesamte Ruhrgebiet mit über 300.000 deutschen Soldaten eingekesselt werden. Die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen stieg mit jedem Tag des amerikanischen Vormarsches. Da die drei westlich des Rheins errichteten Sammellager (Prisoner of War Temporary Enclosures) bei Rheinberg, Remagen und Bad Kreuznach schnell zu klein wurden – diese waren für jeweils 50.000 Gefangene ausgerichtet – mussten weitere 14 Sammellager eingerichtet werden, das Leben dort fand auf nacktem Erdboden statt.

 

Die Brücke von Remagen stand am Ende des Zweiten Weltkrieges für einige Tage im Zentrum der welthistorischen Ereignisse. Sie soll das Ende des Zweiten Weltkrieges entscheidend geprägt haben und ein schnelleres Ende des Krieges ermöglicht haben, denkt man an die Tausenden von Menschen, die durch diese erste Rheinüberquerung sicher vor dem Tod durch weitere Bombenangriffe auf deutsche Städte und Dörfer bewahrt werden konnten.

 

Besondere Bekanntheit erlangte die Brücke durch den amerikanischen Kriegsfilm « Die Brücke von Remagen » - 1969. Das Buch „The Bridge at Remagen“ von Ken Hechler bildete dabei die Grundlage für den 1968 in der Tschechoslowakei gedrehten Spielfilm. Es wurde mehr als 600.000 mal verkauft.

Friedensmuseum „Brücke von Remagen“

 

Seit dem 7. März 1980 kann in Remagen das Friedensmuseum „Brücke von Remagen“ besichtigt werden. Es ist in einem der beiden Brückentürme angelegt.

 

Einerseits Museum der Heimat, das vom Alltag, Ruhm und Trauma eines Städtchens am Rhein erzählt, erinnert das Museum andererseits an die historischen Ereignisse von 1945 und die welthistorische Bedeutung der Brücke. Bis zu seiner Neugestaltung im Herbst 2002 zählte das Museum bereits mehr als 500.000 Besucher. Seit 2003 finden die Besucher dort eine völlig neu gestaltete Ausstellung vor.

 

Als kleines Anekdötchen anzumerken sei, dass das nötige Startkapital für die Einrichtung dieses Museums auf eine originelle Idee von Hans Peter Kürten, Gründer des Museums und zwischen 1965 und 1994 Bürgermeister der Stadt Remagen, beruht, als im Sommer 1977 die Brückenpfeiler aus dem Rhein geborgen wurden und Kürten die Idee hatte, kleine Brückensteine mit Echtheitszertifikat als Andenken zu verkaufen.

 

1985 wurde vor dem Friedensmuseum eine Skulptur aufgestellt, geschaffen vom ungarischen, stalinistisch geführten Bildhauer und Zeichner Lajos Barta. Die Großplastik aus Bronze löst eine entschärfte Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ab, die sich vor einem der beiden Brückentürme befand. Sie ist ein Symbol des Friedens und trägt den Namen „Liebeskraft“.

Die Brücke von Remagen – Sie wurde zum Mythos und ging als „Wunder von Remagen“ in die Geschichte ein. Nach dem Krieg wurde sie zu einem Ort des kollektiven Gedächtnisses.

Seit den 1980er Jahren finden an den alten Brückentürmen zahlreiche Veteranentreffen und Gedenkfeiern statt, so auch am 7. März 2015, als sich die Eroberung der Brücke von Remagen durch die alliierten Truppen zum 70. Mal jährte.

 

Reste des Krieges in Remagen (Helme, Stiefel, Gewehrhülsen,... aller Kriegsparteien) liegen heute in Mauernischen gemeinsam „begraben“.

 

 

 

 

 

Friedensmuseum „Brücke von Remagen“

Gedenkstätte des Friedens

53424 Remagen am Rhein, Germany

 

Geöffnet vom 7. März bis 15. November, täglich von 10 bis 17 Uhr

Mai – Oktober bis 18 Uhr

www.bruecke-remagen.de

Fotos vom historischen Ort Remagen am Rhein und Friedensmuseum „Brücke von Remagen“ finden Sie unten oder unter der Rubrik „Orte erinnern sich“ dieser Seite.

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