Herman Franssen

Henri-Chapelle, Herman Franssen und sein Pferd

„Die Tiere, diese treuen Soldaten“ - Nach einer wahren Geschichte

 

10.04.2015

2. August 1914. Herman Franssen wird als belgischer Soldat eingezogen. Schweren Herzens verlässt er den Hof.

 

Mit seiner hübschen Ardenner Stute macht er sich auf den Weg. Das „gemeinsame Glück“ ist jedoch nur von kurzer Dauer. In Fléron wird das Pferd vom belgischen Heer beschlagnahmt. Mit nur einem halb gefüllten Sack Hafer sollte es dort „kriegstauglich“ gemacht werden.

 

Für Herman Franssen geht eine Welt unter, als hätte er soeben einen engen Familienangehörigen verloren. So traurig er auch war, das Vaterland musste verteidigt werden und er hatte die Anweisung erhalten, sich der 3. Artilleriedivision anzuschließen, was er auch machte.

 

Herman sollte ein Elitesoldat werden. Er war stets an der Front sowohl in Lüttich als auch in Antwerpen und Diksmuide im Einsatz. Heldenmütig verachtete er die Kriegsgefahr.

 

Vom Schicksal geschlagen wurde auch Herman bei den Kämpfen verwundet. Sechs Wochen waren für seine Heilung nötig. Weit entfernt von den Schützengräben und betäubenden Geräuschen der Kanonen erholte er sich von seinen Verletzungen. Ein Gedanke quälte ihn: die Zukunft dieser Stute, die er in der Festung von Fléron zurücklassen musste. Lebte sie noch? War sie vielleicht unter den feindlichen Kugeln gefallen?

 

Kam das Jahr 1917, als an jenem Morgen Unglaubliches geschieht. Herman und seine Kampfeinheit wollten gerade eine Kampfpause einlegen, als eine andere Heeresgruppe Richtung Front ihnen über den Weg läuft. Herman hatte wohl geträumt, aber nein, plötzlich erblickte er in der Menge ... ... ... seine Stute.

 

Sie alle waren an einem Seil gespannt und zogen einen Karren, auf dem diese große Kanone lag. Herman ist außer sich, die Tränen in den Augen läuft er dem Gespann hinterher. Es müssen ein dutzend Pferde gewesen sein. Er schafft es, die Pferde einzuholen. Herman zögert nicht und wirft sich um den Hals seiner Stute. Er fühlt, wie sie zittert, und streichelt sie zärtlich. Das Pferd zuckt kurz zusammen, doch dann wiehert es laut auf.

 

Von dem Augenblick an war Herman klar, dass er sich fortan nach den Arbeiten seiner Stute erkundigen würde, und lenkte alle seine Gedanken auf das Pferd. Das Pferdegespann blieb vor so vielen Emotionen einen Moment lang stehen, es marschierte dann aber weiter in Richtung Front.

 

Kam der Tag, an dem die Trompeten den Waffenstillstand einläuteten. Hermans einziger Wunsch war es, so schnell wie möglich seine geliebte Stute wiederzufinden und mit ihr nach Hause zurückzukehren. Sichtlich von seiner Hochherzigkeit gerührt, gab der Befehlshaber der Artillerie dem Soldaten das Pferd zurück.

 

Kaum zu glauben: In Begleitung seines Pferdes durchquerte der Kavallerist Herman Franssen ganz Belgien, bevor er schließlich jenen Ort erreichte, den er vor mehr als vier Jahren mit seinem Pferd verlassen hatte.

 

Familie Franssen

Herman war kurz eingenickt. Als er aufwachte, traute er seinen Augen nicht. Sein Pferd war auf der Reise denselben Weg gegangen, den es am 2. August 1914 gegangen war.

 

Als sie die Lütticher Straße erreichten, waren sie nicht mehr weit weg von Zuhause. Herman kommt der Gedanke, das Pferd auf die Probe zu stellen. Diesmal hatte er seiner Stute nicht die Anweisung gegeben, an der Kreuzung am Gratweg abzubiegen. Vier Jahre waren sie dort nicht mehr vorbeigekommen. Doch das Pferd zögerte keinen Augenblick und bog an der besagten Stelle ab.

 

Die Freude war groß in der ganzen Familie Franssen und alle waren überglücklich. Die Stute ließ sich hiervon nicht beeindrucken. Nur zu gut erinnerte sie sich noch an das Eckchen im Hinterhof, in dem sie einst Tag für Tag genüsslich ihren wohlverdienten Hafer fraß.

 

Seit jeher hat das Pferd den Bauernhof nicht mehr verlassen. Noch viele Jahre weidete es auf der schönen grünen Wiese.

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In Erinnerung an Herman Joseph Franssen

Wie beispielhaft Tiere unsere Seele berührten, zu einer Zeit, als

Mensch und Tier um das nackte Überleben kämpften.

Ähnlich muss es damals wohl auch dem tapferen Kavalleristen Franssen ergangen sein.

Herman Joseph Franssen wurde am 21. Februar 1892 in Baelen geboren. Während seiner Amtszeit war er als Schulschöffe der Gemeinde Henri-Chapelle tätig.

 

Im Ersten Weltkrieg wurde Franssen als belgischer Soldat eingezogen. Er kämpfte unter anderem in Lüttich und Antwerpen sowie in Diksmuide in Westflandern.

 

Nach dem Krieg wurde Franssen als Ritter geschlagen und unter anderem mit der König Leopold I.- und König Leopold II.-Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Er erhielt außerdem die Yser-Siegermedaille.

 

Er starb am 4. November 1969 im Alter von 77 Jahren.

In diesem Bauernhof nicht weit vom „Weißen Haus“ in Henri-Chapelle lebte Herman Franssen mit seiner Frau Emma Munnix.

Gut Graet - Linke Haushälfte

Gut Graet - Rechte Haushälfte

Die beiden Pferde waren Hermans ganzer Stolz. Er behandelte sie wie seine eigenen Kinder.

Hermans Original-Personalausweis und Durchlasspass aus der Kriegszeit 1914-1918, ausgestellt vom Bürgermeister der Gemeinde Henri-Chapelle am 22. Januar 1915.

Name und Vorname: Franssen Herman Josef

Wohnort: Henri-Chapelle

Beruf: Landwirt

Kann unter Benutzung der neutralen Strassen vom Weissen Haus bis zum „Wege“ nach Belg. (Belgisch) Moresnet zwischen Henri-Chapelle und Belg. (Belgisch) Moresnet hin und zurück passieren.

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Danke an Herrn François Hick, ohne den dieser Beitrag nicht zustande gekommen wäre. François Hick, lebhaft in Montzen, seit Jahren leidenschaftlicher Sammler und Experte für lokale Geschichte und Ahnenforschung.

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