La Roche-en-Ardenne

La Roche-en-Ardenne (B)

Erst befreit, dann bombardiert

 

24.02.2015

Die „Pont du Faubourg“

 

Eine der beiden Brücken der Stadt, die während des Zweiten Weltkrieges sowohl auf deutscher als auch auf amerikanischer Seite strategisch von hoher Bedeutung war und heiß umkämpft wurde.

 

Anlässlich der Befreiung im September 1944 wurde die Stadt von Angriffen verschont, wenn auch die Deutschen bei ihrem Rückzug aus der Stadt am 8. September 1944 die Brücke sprengten. Doch nur wenige Tage nach der Befreiung errichteten amerikanische Pioniere auf der noch gut erhaltenen Brücke eine transportfähige Behelfsbrücke, sodass La Roche-en-Ardenne wieder ein strategisch bedeutsamer Ort für die vorrückenden alliierten Truppenverbände wurde.

 

Anders war es im Zuge der Ardennenoffensive im Dezember 1944, als die deutschen Truppen in La Roche einmarschierten und die notdürftig reparierte Brücke nutzten, um in Richtung Antwerpen weiter vorzudringen. Von dem Augenblick an sollte La Roche Zielscheibe amerikanischer Angriffe werden, wodurch die Stadt schließlich zu 80 % fast vollkommen zerstört wurde.

Das Schicksal des Michel Prioux

 

Die Befreiung von La Roche im September 1944 durch das 12. Regiment der 4. US-Infanteriedivision hatte ebenfalls ihre Schattenseite. Während bei dem alliierten Angriff insgesamt 12 deutsche Soldaten ums Leben kamen, war auf Seiten der Amerikaner „nur“ ein Opfer zu beklagen. Tatsächlich meldete Michel Prioux sich als Freiwilliger zum Kriegsdienst und trat hierauf als Freiwilliger bei der US-Armee ein. Den 9. September 1944 sollte der noch sehr junge Prioux nicht überleben. Der französische Soldat fiel einem deutschen Scharfschützen zum Opfer. Er ging damit als „einziges Opfer in den Rängen der alliierten Streitkräfte während der ersten Befreiung der Stadt La Roche“ in die Geschichte der Stadt ein.

 

Prioux sollte von dann an der Bevölkerung noch lange in Erinnerung bleiben. Am 12. September 1944 wurde der „kleine Franzose“, wie viele ihn nannten, unter großer öffentlicher Anteilnahme in La Roche beerdigt. Er erhielt den Status eines echten „Rochois“. Seitdem erinnert La Roche an die Zivilcourage und den Heldenmut des Soldaten. Anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung im September 2004 ließ die Stadt sogar ein Denkmal zu Ehren des jungen Franzosen errichten.

 

Michel Prioux, der am 9. September 1944 in La Roche von einem deutschen Scharfschützen per Kopfschuss ums Leben kam, wurde nur 18 Jahre alt.

Die Bombardierungen von La Roche

 

Mit der alliierten Befreiung dachte die Bevölkerung, dass der Frieden zurückgekehrt und die schlimmen Tage endlich vorbei seien. Leider sollte nur wenige Monate später ein schreckliches Ereignis einen weiteren Schatten über die ganze Stadt werfen.

 

Schon im September 1944 beschließt Adolf Hitler, den unaufhaltsamen Vormarsch der Alliierten mit einer Gegenoffensive zu neutralisieren. Eingeläutet wurde die Operation „Wacht am Rhein“ völlig überraschend am 16. Dezember 1944 früh morgens mit einem Vorbereitungsfeuer der Deutschen auf einer Front von über 100 Kilometern.

 

In La Roche-en-Ardenne werden die dort stationierten amerikanischen Truppen am 17. Dezember 1944 in Bereitschaft gesetzt. Auf Grund der in Malmedy, Sankt Vith, Vielsalm und Houffalize herrschenden Tumulte ziehen sich die Amerikaner jedoch am 18. und 19. Dezember 1944 aus La Roche zurück. Erste deutsche Truppenbewegungen in der Umgebung von La Roche werden bereits in der Nacht zum 19. Dezember 1944 beobachtet. Am 19. und 20. Dezember 1944 traf die 116. deutsche Panzerdivision dann endgültig in La Roche ein.

 

Das erste zivile Opfer, welches La Roche zu beklagen hat, Benoît Liègeois, kam durch Granatsplitter ums Leben.

 

Die „Pont du Faubourg“ wird zum Dreh- und Angelpunkt der Deutschen. Doch die Amerikaner wissen, dass die Brücke strategisch wichtig für den Vormarsch der Deutschen ist und beschießen die Stadt ab dem 22. Dezember 1944 mit schwerer Artillerie. Diese Artillerieangriffe werden bis zum 12. Januar 1945 anhalten.

 

Die Lage sollte sich dramatisch zuspitzen, als am 26. Dezember 1944 der Himmel aufklart und die deutsche Offensive mit einer Gegenoffensive der amerikanischen Luftwaffe in insgesamt vier Angriffswellen überrumpelt wird. Seitdem werden die deutschen Stellungen in den Ardennen während mehrerer Tage unaufhörlich amerikanischen Luftbombardements ausgesetzt. 37 US-Jagdbomber kommen beim ersten Luftangriff zum Einsatz. 75 Tonnen Bomben gingen dabei auf die Stadt La Roche nieder. Beim zweiten Angriff wurden insgesamt 38 US-Jagdbomber eingesetzt, die weitere 55 Tonnen Bomben auf die Stadt niederwarfen.

 

Die Stadtteile Faubourg und Chalet werden vollkommen zerstört, als am 1. Januar 1945 weitere 26 US-Jagdbomber 37 Tonnen Bomben auf La Roche abwerfen. Die Bewohner von La Roche, die im Zuge dieser Bombardierungen in der Stadt geblieben waren, verschanzten sich in ihren Kellern. Die Überlebenden suchten anschließend in den Wäldern von La Roche Zuflucht, an einem Ort namens „Petite Strument“. Die Menschen in ihrer misslichen Lage waren auf sich gestellt und die extreme Kälte machte ihnen darüber hinaus schwer zu schaffen.

 

Auch das Rathaus von La Roche sowie zahlreiche umliegende Häuser blieben von diesen Angriffen nicht verschont und wurden von einer heftigen Explosion heimgesucht. Die Bewohner der Stadt hatten mehrere dutzend Pfund TNT abtransportiert und im Keller des Rathauses gelagert. Der Sprengstoff sollte ursprünglich zur Sprengung der „Pont du Faubourg“ durch die Amerikaner eingesetzt werden. Die Amerikaner ließen das hochexplosive Material allerdings durch ihren Rückzug aus La Roche versehentlich zurück.

Als eine Granate auf das Rathaus niederging, gingen durch die Wucht der Explosion das Gebäude aber auch umliegende Häuser in die Luft. Die Bilanz ist erschreckend: der ganze Marktplatz und das Stadtviertel Chanteraine werden der Explosion nicht standhalten können und vernichtet.

 

Die schweren alliierten Bombenangriffe auf La Roche, die bis zum 1. Januar 1945 anhalten werden, haben generell zur Folge, dass fast die ganze Stadt verwüstet wird und vom Erdboden verschwindet. 167 Tonnen (= 70.000) Bomben und Granaten kamen dabei ingesamt zum Einsatz. Sie forderten den Tod von insgesamt 114 zivilen Opfern. Von 639 Häusern wurden 348 ausradiert oder schwer in Mitleidenschaft gezogen. Und auch die „Pont du Faubourg“ wird bei diesen Angriffen schließlich vollkommen zerstört werden.

Endlich befreit

 

Mit dem Einmarsch des schottischen Regimentes „Black Watch“ der 51st Highland-Division auf der einen Seite und der Vorhut der 84. US-Infanteriedivision „The Rail Splitter“ auf der anderen Seite wird die Stadt La Roche am 11. Januar 1945 endgültig befreit.

 

Unterstützt von den Städten Huy und Ath wird die Bevölkerung den Wiederaufbau von La Roche schnell aufnehmen. Während die Stadt wenige Zeit nach Beendigung des Krieges das Kriegskreuz und die Ehrenlegion als Auszeichnung erhielt, ist sie heute mit der ehemaligen fürstlichen Burganlage hoch über dem Städtchen eine äußerst beeindruckende Touristenattraktion am Ufer der Ourthe, die den Umweg auf jeden Fall wert ist.

Auf den Spuren des Zweiten Weltkrieges in La Roche-en-Ardenne finden Sie im folgenden Guide die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die komplette Fotosammlung finden Sie unten oder unter der Rubrik „Orte erinnern sich“ dieser Seite.

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