Lanzerath

Private Glenn H. Ward und Captain William H. Nation

Getötet bei deutschem Artillerieangriff - Lanzerath, Januar 1945

 

09.02.2015

Judy Ward auf den Spuren ihres Vaters, getötet am 30. Januar 1945 durch Artilleriebeschuss der Deutschen.

 

Als Glenn H. Ward 1943 nach Europa zog, war Judy noch sehr klein. Auf den Spuren ihres Vaters reiste sie fast 70 Jahre nach seinem Tod aus Wisconsin nach Europa, um sich über dessen Schicksal endlich Gewissheit zu verschaffen.

 

Es sind Städte wie Vielsalm, Thier du Mont, Goronne und Rencheux, in denen Wards Regiment erbitterten Widerstand gegen die deutschen Besatzer leisteten.

Heute sind es diese und andere Städte, die Judy bei der Suche nach dem Schicksal ihres Vaters gerne zur Seite stehen.

So stößt Judy in diesem Zusammenhang auch regelmäßig auf Veteranen, die genau wie Glenn auf dem Schlachtfeld hätten getötet werden können. Vom unschätzbaren Wert der Veteranen als Soldaten im Kampf gegen das Nazi-Regime ist dann auch Judy sichtlich gerührt.

Pvt. Glenn H. Ward absolvierte eine spezielle Ausbildung als Fallschirmjäger. Im Zweiten Weltkrieg wurde Glenn der 82. US-Luftlandedivision zugeteilt. Er landete in der Normandie, beteiligte sich an Kämpfen in Holland und nahm schließlich als Soldat des 508. Fallschirm-Infanterie-Regimentes an den erbitterten Kämpfen in den Ardennen teil.

 

Als das 508. Regiment am 30. Januar 1945 die deutsche Grenze erreicht, um die umliegenden Dörfer zu befreien, weiß Glenn nicht, dass er wenige Zeit später der deutschen Attacke zum Opfer fallen würde.

 

Das Unheil nimmt seinen Lauf als die Kompanie F Richtung Lanzerath von deutschem Artilleriegeschoss überrascht wird. Ein Angriff, den Glenn nicht überleben sollte. Auf offenem Feld getötet verstarb er am 30. Januar 1945 im Alter von nur 25 Jahren.

 

Judys Wunsch war es, an den Ort zu kommen, an dem ihr Vater verstarb. 2014 wurde er erfüllt, 70 Jahre nachdem sie im Alter von nur drei Jahren ihren Vater das letzte Mal sah.

Als Offizier war William H. Nation erst für die Bildung des 508. Fallschirm-Infanterie-Regimentes verantwortlich. Er meisterte diese Aufgabe mit Erfolg. Im Herbst 1942 war William im Personalbereich tätig und Unternehmensdienstleister. Am 22. Juni 1943 wurde er schließlich zum Hauptmann befördert.

 

Während der alliierten Invasion im Juni 1944 gehörte William H. Nation zum 508. Fallschirm-Infanterie-Regiment unter dem Kommando des Oberstleutnants Roy E. Lindquist. Am 6. Juni 1944 sprang der damals 25-Jährige östlich der französischen Stadt Amfreville ab. Nation blieb während der gesamten Dauer der alliierten Kämpfe in der Normandie beim 508. Fallschirm-Infanterie-Regiment.

 

Am 17. September 1944 sprang seine Einheit im Rahmen der Operation Market Garden in Holland ab. Sie war schließlich in den Ardennen aktiv. Nach taktischen Kämpfen an der Salm, in Goronne und Thier du Mont quartierten sich die Männer am 10. Januar 1945 in der Region von Chevron bei Lüttich ein, bevor sie am 21. Januar 1945 wieder an die Front nahe der deutschen Grenze geschickt wurden.

 

Am 30. Januar 1945 erreichte die Einheit die deutsche Grenze in der Gegend von Lanzerath-Losheim. Nur einen Tag später, also am 31. Januar 1945, kam es zu einem feindlichen Gefecht, bei dem auch William H. Nation getötet wurde. William wurde nur 26 Jahre alt. Sein Grab ist auf dem amerikanischen Friedhof von Henri-Chapelle zu finden.

Nations letzte Worte an die Familie. Wenige Zeit später war er tot.

 

Frei übersetzt. „Liebe Eltern,

ich habe euren Brief und das Paket bekommen, aber ich habe bisher nicht viel Zeit gehabt, um euch zu antworten. Mir war jedoch klar, dass ich dies noch heute Abend als letztes tun würde.

Heute hat es so stark geschneit, dass wir unseren Jeep zeitweise stoppen mussten, weil wir die Straße nicht mehr sahen. Die Bäume hier sind weiß, es ist so schön, es könnten Zeichnungen sein. Die Berge hier sind wirklich schön.

Wir haben uns in einem Sommerhaus auf einem Hügel eingenistet, mit Blick ins Tal auf kleine Dörfer, es ist so kalt hier.

Wir müssen uns ständig in Decken wickeln, um nicht zu erfrieren. Ich trage eine dicke Fliegerjacke. Sie ermöglicht mir, zu überleben. Meine Hose gleicht einer Wollüberhose aus zwei Lagen, und ich trage außerdem Schneestiefel, dadurch kann ich der Kälte leichter widerstehen.

Viele Male habe ich mir vorgenommen, euch zu schreiben, aber ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll. Es gibt nur diesen Krieg, diesen einen Krieg, und ich kann keinen Krieg mehr führen. Ich habe dort alles gesehen, was ich sehen wollte.

Ich möchte so gerne auf all diese Briefe antworten, aber ich bin am Ende meiner Kräfte und die wenige Kraft, die mir noch bleibt, versuche ich aufzubewahren, um mit euch in Kontakt zu bleiben.

Ich muss nun aufhören zu schreiben. Es ist spät und ich muss um 6.30 Uhr aufstehen. Ich hoffe, dass ich später wieder schreiben kann.

Gute Nacht.

Ich liebe euch.

Bill“

Mit einer emotionalen Feier wurde am 31. Januar 2015 in Lanzerath der Einsatz und Heldenmut von Private Glenn H. Ward und Captain William H. Nation besonders gewürdigt. Die heute 75-jährige Judy und auch die Neffen von William, Bill und Philip Nation, waren neben weiteren Familienangehörigen aus den USA extra angereist, um bei dieser Gedenkfeier dabei zu sein.

 

Lanzerath ist das letzte belgische Dorf, dass von den alliierten Kräften im Rahmen der Ardennenoffensive befreit wurde. Die Organisatoren haben ganz bewusst den 31. Januar gewählt, weil dieser Tag die Befreiung von Lanzerath markiert.

 

Die Feierlichkeiten wurden außerdem zum Anlass genommen, um neben der bestehenden Gedenktafel anlässlich der Kämpfe in Lanzerath im Dezember 1944 des Aufklärungszuges des 394. US-Infanterie-Regimentes der 99. US-Infanterie-Division eine neue, zusätzliche Gedenktafel in Erinnerung an die 82. US-Luftlandedivision - 508 PIR zu enthüllen.

Maschinen der 82. Luftlandedivision der US-Streitkäfte

Die Fallschirmjäger zeichneten sich in der Ardennenschlacht aus

Für Marcel Vaessen, Experte der Ardennenoffensive in der Eifel, „schließt sich damit symbolisch der Kreis vom Anfang und Ende der Ardennenoffensive“.

 

Einige Eindrücke von der Feier und weitere Informationen finden Sie in der Fotogalerie und auf meiner Seite www.bunkertours.be, Bouck-Denkmal.

  • Text zur Person William H. Nation (frei übersetzt)

Portal „US AIRBORNE – BELGIEN“.

 

  • Brief William H. Nation (frei übersetzt)

Forum „DDAY-OVERLORD“.

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