Moresnet

Russische Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg

Moresnet, Eisenbahnviadukt

 

21.01.2015

Die Russen und russischen Kriegsgefangenen waren in den Augen der Deutschen „Untermenschen“. Sie wurden wie Tiere und nicht wie menschliche Wesen behandelt. Härteste Zwangsarbeit, Ausbeutung und Schikane waren an der Tagesordnung. Von nun an wird diese Sicht von einem Gefühl des Abscheus angesichts dieser „Kreaturen“ begleitet, die es galt, mit allen Mitteln auszurotten.

 

Dies erklärt, warum nur eine geringe Anzahl von Russen in den bürgerlichen bzw. Kirchen eigenen Standesbüchern bekannt war. Trauerfeiern für russische Verstorbene waren strengstens verboten, Bestattungen erst recht. Jeder Pfarrer, der sich gegen diese Anweisung sträubte, machte sich strafbar.

 

Viele Russen wurden daher nachts, in der Dunkelheit begraben, an einem stillen Ort jenseits der Friedhöfe, um ihnen dennoch die letzte Ehre zu erweisen. Das damalige Kirchenoberhaupt der Gemeinde Montzen um Dechant Ferbeck ließ auf diese Weise gleich drei Russen auf dem Montzener Friedhof beisetzen. Auszug aus dem Kirchenbuch der Gemeinde: « Folgende russische Kriegsgefangene sind im Monat Oktober 1918 auf dem Friedhof zu Montzen beerdigt worden: Daniel Judin, Sergej Perachin, Ilja Wassiljew Uwan Samsonow. »

Der Viadukt von Moresnet ist eine 1.100 Meter lange Überführung, die dazu dienen sollte, deutschen Truppen schnelleren Zugang zur Front in Flandern zu ermöglichen, auch mit schwererem Gerät. Am Bau dieser gewaltigen Eisenbahnbrücke, die als Entlastungsstrecke nach Tongeren führen sollte, sollen rund 14.000 Arbeitskräfte beteiligt gewesen sein. Davon sollen rund 2.000 Russen von der russischen Front hierher als Zwangsarbeiter versetzt worden sein.

 

Die Arbeitsbedingungen waren miserabel. Miserable Unterkünfte, keine vernünftige und ausreichende Verpflegung, härteste Bauarbeit.

 

So forderte der Bau dieses mächtigen Kolosses vielen Russen das Leben. Immer wieder machte sich in diesem Zusammenhang das Gerücht breit, die toten Russen seien einfach in die Betonfundamente geschmissen worden.

Für zahlreiche andere russische Kriegsgefangene war die Situation schlichtweg aussichtslos, sodass sie ihrem Leben ein Ende setzten. Andere wiederum wollten flüchten, in die nahe Niederlande, was sich aber auf Grund des im Jahre 1915 errichteten elektrischen Zaunes an der belgisch - niederländischen Grenze als unmöglich erwies. Gebaut von den deutschen Besatzern lief der Zaun von Aachen bis an die Küste Flanderns. Er sollte verhindern, dass Menschen (Kriegsgefangene, Schmuggler, Spione, Deserteure,...) ins benachbarte Holland flüchteten.

 

An diese Ereignisse erinnert heute unter anderem der Friedhof von Moresnet. Dort liegen neun Russen begraben. Sie sollen am Bau des Moresneter Eisenbahnviaduktes beteiligt gewesen sein und am elektrischen Zaun ihr Leben gelassen haben. So wie viele andere, die auf anderen Friedhöfen im Grenzgebiet beerdigt wurden.

Wenn also der Erste Weltkrieg anderswo ausgetragen wurde, so hat er dennoch sichtliche Spuren in der Region hinterlassen.

* * * * * * * * * *

Der Viadukt von Moresnet

 

Der Viadukt von Moresnet war bis in das Jahr 2003 das „längste Brückenbauwerk Belgiens“ und ist bis heute das größte und imposanteste Bauwerk der Montzenroute.

 

Hierzulande ist die Eisenbahnbrücke seit Jahren eine touristische Attraktion. Früher war sie jedoch eine Ausführung kriegerischer Handlungen, die Angst und Schrecken verbreitet haben.

 

Es gab Sprengungen und mit dem Fortschreiten des Krieges wurde die Gefahr durch Luftangriffe immer größer. Leider erinnern wir uns an diese Ereignisse heutzutage nur noch selten und die Brücke ist nur noch eine sehr vage Vorstellung von dem, was sie damals verkörpert hat.

 

Lesen Sie den kompletten Textbeitrag hier.

Der elektrische Zaun im Ersten Weltkrieg

 

Im Ersten Weltkrieg bauten die deutschen entlang der belgisch - niederländischen Grenze einen elektrischen Zaun, auch „Todeszaun“ genannt. Es handelte sich dabei um eine Sperranlage, mit der die deutsche Besatzungsmacht Belgien hermetisch von den neutralen Niederlanden abriegeln wollte.

 

Bei Sippenaeken gedenkt heute ein Denkmal der zahlreichen Opfer, die beim Versuch den elektrischen Zaun zu überwinden, ums Leben kamen. Es wurde auf Initiative des Grafs von Oultremont, Schlossbesitzer von Beusdael, errichtet und zwar just an der Grenze der Provinzen Lüttich und Limburg. Auf der Gedenkplakette sieht man einen Menschen, der im „Todeszaun“ hängt. Die Chance, den Zaun zu überleben, war gleich null. Bei voller Last wies dieser eine Spannung von 2.000 Volt auf.

don't forget

dontforget.be by Philippe Bauer © 2015 - All Rights Reserved. Last Updated April 11, 2015. Visitors: 305.

Die Webseite ist für die Nutzung auf mobilen Geräten ausgelegt.